Das kam eher unerwartet: ein voll
besetztes Hauptschiff der Klosterkirche
in der jüngsten Orgelmusik.
Man genoss nicht nur die ausgezeichneten
Musikvorträge, sondern
auch die angenehme Kühle im Gotteshaus.
Einst war Barbara Dehm an der Kanti
Wettingen Schülerin des Oboenlehrers
Peter Sonderegger. Im jüngsten
Konzert standen die beiden solistisch
Seite an Seite und harmonierten ausgezeichnet.
Seit der Pensionierung vor einem
Jahr hat Peter Sonderegger sein
Bläserspiel aufpoliert. Aus der Oboenschülerin
wurde eine Oboenlehrerin an
der Kanti Wettingen. Die Orgel bediente
Stefan Müller, Schulmusiker, Klavier-
und Orgellehrer an der gleichen
Schule. Sein Spiel bewies hohes Können.
Geboten wurden Werke der beiden
Grossmeister der Barockmusik, Johann
Sebastian Bach und Georg Friedrich
Händel. Als deren Zeitgenossen war
der Venezianer Tomaso Albinoni einer
der herausragenden italienischen Barockmusiker.
Dass dieser das Melodiöse
und Galante bevorzugte, ging aus
dem Concerto a cinque op. 9 Nr. 3 in FDur
hervor.
Die beiden Oboisten konnten mit
virtuosem und freudvollem Spiel brillieren,
wirkungsvoll unterstützt vom
Organisten. Bach bekundete seine
Wertschätzung gegenüber Albinoni, indem
er drei Fugenthemen von diesem
für eigene Werke benützte.
Bach selber bildete den Schwerpunkt
des Klosterkonzerts. Das Oboisten-
Duo zeichnete sich in der G-dur-Triosonate
mit beseeltem und technisch gut
bewältigtem Figurenspiel aus. Stefan
Müller erwies sich als souveräner Gestalter
und Techniker in Fantasie und
Fuge c-moll BWV 537 wie auch in Präludium
und Fuge C-dur BWV 547. Beide
Kompositionen erfuhren eine klug
disponierte Wiedergabe.
Beseelte Musik
Das C-moll-Werk war vorwiegend
durch verhalten klagende Passagen gekennzeichnet,
während in der zweiten
Komposition das Lebensvolle, Gegensätzliche
und Grosse dominierten.
Müller schob zwischen das C-dur-Werk
ein G-moll-Trio BWV 584, dessen Autorenschaft
umstritten ist. Es fügte sich
dank seiner thematischen Nähe zur Cdur-
Fantasie gut ein.
Händel kam mit der D-moll-Sonate
für zwei Oboen und Orgel zu Gehör.
Die Interpreten überzeugen durch ein
differenziertes und beseeltes Musizieren.
Sie gestalteten die vielschichtigen
Strukturen mit virtuosem Spiel. Das
Publikum, das im Konzert Lebensfreude
und Zuversicht getankt hatte, spendete
herzlichen Beifall.
[jr]