Tänze, Toccaten, Fantasien
W. F. Bach:
1. Fantasie in C (Falck 14)

Couperin Suite I in a, Froberger gewidmet:
2. Prélude à l'imitation de M. Froberger
3. Allemande l'Aimable
4. Courante dite la Mignonne
5. Sarabande
6. La Piémontaise

J. K. Kerll:
7. Toccata 3 in a
8. Toccata 4 in e

J. S. Bach aus der französischen Ouverture in h, BWV 831:
9. Ouverture
10. Courante
11. Gavotte I
12. Gavotte II
13. Sarabande
14. Bourrée I
15. Bourrée II
16. Gigue

J. Froberger:
17 Toccata II in d

G. Frescobaldi:
18. Toccata in C (XXII)

W. F. Bach:
19. Fantasien in c (Falck 16)

Aufgenommen in Waldenburg, 2002
Illustrationen Marcel Forrer
Gespielt auf drei Cembali aus der Werkstatt Scheer / Vogel, Jestetten

Tänze Toccaten Fantasien

Bei Tänzen herrscht, da die Musik den Schritt des Tänzers nicht stören darf, ein regelmässiger Puls vor. Anders bei den Toccaten und Fantasien: hier wird auch mit dem Puls und Metrum frei umgegangen. Dieser rhythmisch verschiedene Umgang hat naturgemäss einen grossen Einfluss auf die Melodiebildung und Harmonie. Mit diesem Spannungsfeld zwischen Freiheit und Strenge beschäftigt sich das vorliegendem Programm. Bei der Fantasie in C von W. F. Bach handelt es sich um ein Spielstück, welches etüdenhaften Charakter hat. Arpeggio-Figuren laufen, von wenigen Zäsuren abgesehen, ununterbrochen durch das Stück, teils in der rechten, teils in der linken Hand, manchmal zusammen. Reichhaltig ist die Harmonik, welche, Wilhelm Friedemann Bach gemäss, die Tendenz zur Abschweifung hat, bei diesem Stück aber schliesslich ins Heitere, Brilliante des Anfangs zurückfindet.

Die Toccata in A von J. K. Kerll geht melodisch, rhythmisch und formal sehr frei mit dem musikalischen Material um. In mehrerer Hinsicht bildet die Toccata einen Vorläufer der Fantasie, wobei das virtuose Element (toccare = Schlag) immer wieder spürbar wird. Die Fantasie wird vor allem im Hoch- und Spätbarock gern als Form zur Darstellung der „Nachtseite” des Lebens verwendet, wo der Phantasie keine hemmenden Fesseln der Vernunft angelegt werden und man allerlei Absonderliches, Verträumtes aber auch Gefährdetes antreffen kann.

Die Toccata in A also fängt mit melodisch freien, suchenden und in Dialog tretenden Stimmen an, wird tänzerisch, schwärmerisch und wieder frei suchend. Am Schluss des Stückes schaukeln sich die Stimmen zu einem durchgehenden, ungestümen accelerando auf. Die Toccata in C von G. Frescobaldi, dem Meister Frobergers, lässt den Cembaloklang auf den langsam schreitenden Akkorden aufblühen und entführt den Hörer in entlegene Gebiete; sie verzichtet ganz auf äusseren Prunk. Hier steht das Subjekt uneingeschränkt im Vordergrund und kann in frei schweifender Fantasie groteske, verzückte und verzweifelte Seelenstimmungen malen. Weit stösst hier Wilhelm Friedemann durch den radikalen Subjektivismus in die Moderne vor, mit allen formalen Schwierigkeiten, welche die Folge der Vernachlässigung des Gesetzmässigen mit sich bringt.