Empfindsame Claviermusik
1. Wilhelm Friedemann Bach
Fantasie in g, BWV 920, früher J. S. Bach zugeschrieben; Clavizyterium

2. - 8. Johann Sebastian Bach
Choralvariationen "Sei gegrüsset, Jesu gütig", BWV 768; Clavicord

9. Johann Sebastian Bach
Allegro aus der Sonate für Violine und obligates Cembalo Nr. 6, BWV 1016

10. Johann Sebastian Bach
Ricercare a 3, BWV 1079; Cembalo

11. Carl Philip Emanuel Bach
Rondo in e, "Abschied vom Silbermannschen Clavier"; Clavichord

12. Carl Philip Emanuel Bach
Rondo in C, "Freude über den Empfang"; Clavichord

13. C. Ph. E. Bach
Freie Fantasie in fis, "C. P. E. Bachs Empfindungen"; Clavichord

Dietikon 2004
Instrumente der Werkstätte für historische Tasteninstrumente Scheer-Vogel, Jestetten

Empfindsame Claviermusik
J. S. Bach, Friedemann Bach und Carl Philip Emanuel Bach

Bei Friedemann Bachs Fantasie in g BWV 920, Allegro moderato, Misurato, Adagio, Allegro con brio, Allegro ritenuto, wird der subjektive Ausdruck oftmals zum Programm: Die Musik verliert das Gleichgewicht, wirkt durch Affekt und Empfindung. Virtuose Läufe, schnell wechselnde Stimmungen, gewagte harmonische Sprünge, fragmentarisch anmutende Formen sind für seinen Stil charakteristisch. Ich halte Friedemann Bach für den wahrscheinlichsten Komponisten, insbesondere wegen der typischen Arpeggio-Figuren, die stark an ähnliche Stellen der Clavierfantasien erinnern. Auch aus dem rhythmisch kompromisslosen Schluss könnte der Charakter des Sohnes sprechen.

Die Choralpartita zur Passionszeit "Sei gegrüsset, Jesu gütig" von Johann Sebastian. Bach wirkt durch die gleich bleibende Choral-Vorlage ungleich konservativer. Bei der ersten Fassung handelt es sich um ein Duett mit Anklängen an den alten Bicinium-Stil, den Bach in seiner frühen Schaffensperiode verwendet hat. Über einem ruhig fortschreitenden Bass erhebt sich eine in Tongirlanden ausufernde Melodie. Typisch für diese Form ist der Schluss, den die Basslinie allein gestaltet. Bei der zweiten Variation handelt es sich um ein fugierendes Stück im Pachelbel-Stil, in dem die kleingliedrigen Motive imitierend durch die Stimmen wandern.

Das Stück "Abschied vom Silbermannschen Clavier in einem Rondeaux, dem ieztigen Besizzer D: E: Gr: zugeeignet und componirt von C. P. E. Bach 1781", bildet ein Paar mit dem Antwortstück "Freude über den Empfang des Silbermannschen Claviers in einem Rondeaux dem H. Capellmeister Bach zugeeignet und componirt von Dr: Ew: Grotthuss im Septhr. 1781" des Instrumentenkäufers . Gemeint ist das Clavichord, wie an den Bebungzeichen deutlich erkennbar ist:

In jeder Hinsicht sind beide Stücke komplementär zueinander: weich klagend das Rondo, heiter auffahrend das Allegro; zögernd im Rhythmus bei Ph. E., spielerisch synkopisierend bei Grotthuss. Voll schwermütiger Verzierungen Überladen der Abschied, von fast schon klassischer Schlankheit getragen der Empfang u.s.w.