Chorkonzert Klosterkirche Wettingen
CD Müller Ps. 88 / Schumann Missa in c-Moll op. 147

Stefan Müller: Psalm 88/ "O Heiland reiss die Himmel auf" Für gemischten Chor, Soli, Streichorchester, Sampler (2005)

1. Rondo I
2. Fantasie
3. Choral I
4. Rondo II
5. Choral II
6. Ostinato

Robert Schumann: Missa sacra in c-Moll, op 147

8. Kyrie
9. Gloria
10. Credo
11. Offertorium
12. Sanctus
13. Agnus die

Robert Schumann komponierte die Orchesterfassung seiner Missa sacra in c-Moll op. 147 im Jahre 1852. Die Orgelfassung folgte 1853. Bei der in diesem Konzert zu hörenden Fassung handelt es sich um eine Bearbeitung für Orgel, Streicher, Solisten und Chor. Die Missa sacra ist ein Spätwerk Schumanns. Extravagante Harmonik und Dissonanzen-Reichtum bestimmen das Werk. Strenge Stimmführung im alten Stil und motivische Reduktion führt zur formalen Geschlossenheit des Werkes und gibt ihm seine stringente Wirkung. Die Sehnsucht nach Erlösung, die das ganze Stück durchdringt, führt jedoch meist zurück in die Resignation. Dies drückt sich das so aus, dass nach einem anfänglichen Aufschwung die Musik in sich zusammenfüllt und verstummt. Biographische Bezüge sind hier nahe liegend: Schumann war seit April 1852 gesundheitlich und psychisch stark beeinträchtigt. Trotzdem gelingt es ihm, etwa im Gloria, dieses Leiden zu Überwinden; am berührensten und modernsten schreibt er jedoch, wenn er sich (etwa im ersten Teil des Agnus) ganz der Melancholie hingibt und in dunklem Moll versinkt.

Der Psalm 88 (2005) von Stefan Müller ist für die gleiche Besetzung komponiert; auch inhaltlich bestehen Parallelen zur Missa sacra. Der 88. Psalm ist ein Klagepsalm. Die Klage wird bis zum Schrein erhoben "Herr Gott, mein Heiland, ich schreie Tag und Nacht vor dir.". Tiefe Verzweiflung spricht aus den Worten: "Du hast mich hinunter in die Grube gelegt, in die Finsternis und in die Tiefe". Eingeflochten in die Komposition ist der Choral "O Heiland reiss die Himmel auf". In tonaler Hinsicht besteht das Innovative der Komposition in der Verwendung von Vierteltönen, welche neue Intervalle ermöglichen, beispielsweise die Naturseptime. In rhythmischer Hinsicht werden Motive gegeneinander verschoben, was ein verwobenes tonales Geflecht zur Folge hat.